Freitag, 6. Februar 2015

Bilinguale Erziehung bei uns zu Hause

Deine Kinder Lernen zwei oder sogar drei Sprachen gleichzeitig? Dann geht es euch in vielen Belangen sicher wie uns. Ich möchte einmal erzählen, wie das hier funktioniert.

Wir sind eine Deutsch-Ägyptische Familie und leben in Kairo/Ägypten. Unsere zwei Kinder (7 und 3 Jahre) sind hier geboren. Ich spreche mit meinen Kindern Deutsch, seitdem sie in meinem Bauch waren.
Mit der Großen haben wir bis zu ihrem dritten Lebensjahr bei der ägyptischen Großmutter gelebt. Deswegen war bis dahin ihre dominante Sprache Arabisch. Minchen hat Deutsch sehr gut verstanden, aber grundsätzlich auf Arabisch geantwortet. Teilweise war das schwierig, weil mein Arabisch damals noch nicht so toll war. Ich musste mich auch anstrengen, konsequent Deutsch zu sprechen und nicht der Einfachheit halber auch auf Arabisch zu antworten. Aber man gewöhnt sich dran.

Als ihr kleiner Bruder Kiko zur Welt kam wurde alles einfacher. Weil ich mit ihm auch nur Deutsch sprach hat sie die Sprache vermehrt gehört und fand sich wohl gezwungen, es selbst anzuwenden. Es kam ganz natürlich und von selbst. Arabisch ist immer noch ihre dominante Sprache, aber sie kann mittlerweile sehr gut auseinanderhalten, mit wem sie welche Sprache spricht.

Bei Kiko ist es anders herum. Er kann besser Deutsch sprechen als Arabisch. Seitdem er in den Kindergarten geht hat sich das aber auch verbessert. Er wird nun zu meinem kleinen Dolmetscher. Wenn er ein arabisches Kinderlied hört, dann versucht er es mir auf Deutsch zu erklären. Oder wenn ich ihm den Auftrag gebe, etwas von seinem Vater in einem anderen Zimmer zu holen, dann kann er das ganz einfach in der anderen Sprache umsetzen. Bei Minchen gibt es da bis heute noch ein paar Probleme. Sie fragt mich oft „wie heißt das denn auf Arabisch?“. Als ob ich das besser weiß als sie :D.

Und dann ist da noch eine dritte Sprache


Mit meinem Mann spreche ich seit jeher Englisch. Für die Kinder ist es ganz natürlich. Trotzdem sprechen sie mit uns Eltern nur in der jeweiligen Landessprache. Auch am Mittagstisch. Da geht es in allen drei Sprachen durcheinander. Wer uns zuhört bekommt bestimmt Kopfschmerzen.

Der Kleine geht seit seinem dritten Geburtstag in einen englischsprachigen Kindergarten. Das hört sich jetzt toller an, als es ist. Sie sprechen dort hauptsächlich Arabisch, lernen aber viele Wörter, Lieder, Fingerspiele usw. auf Englisch. Zuletzt haben sie Tiernamen, Farben, Formen und einfache kurze Sätze durchgenommen.
Die Große war auch in so einem Kindergarten und geht jetzt auf eine englische Sprachschule. Arabisch wird nur in den Fächern Religion und Arabisch gesprochen. Englisch und die ganzen anderen Fächer (Mathe, Computer, Sachkunde, Musik usw.) werden hauptsächlich auf Englisch abgehalten.

Sie versteht schon ganz lange die Gespräche zwischen mir und ihrem Vater. Sie hat dann meistens auf Arabisch mitgesprochen, außer wenn es der Vater nicht verstehen sollte, dann sprach sie Deutsch (schlaues Kind. Sie weiß nur nicht, wie viel er tatsächlich versteht).
In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass sie sich auch auf Englisch einklinkt. Manchmal verbessert sie mein „th“, weil sie es besser kann als ich. Und sogar Kiko fängt langsam an. Letztens fragte er doch tatsächlich „Can I eat das Apfel?“. An dem Sprachmix arbeiten wir noch, aber die Aussprache ist Bombe :).

Deutsch lernen ist auch Arbeit


Nicht alles kommt von selbst. Wir lernen deshalb so viel wie Möglich Deutsch. Es ist leider nicht immer möglich, weil der Lehrplan unserer Schule ohnehin sehr straff ist. Minchen hat damit genug zu tun. Bleiben also die Ferien. Und die sind in Ägypten sehr lange. Gerade haben wir wieder über sechs Wochen Halbjahresferien hinter uns. Und die Sommerferien sind 3 Monate lang. Da bleibt jede Menge Zeit für Homeschooling und Deutsch. Dafür entwickle ich dann unser eigenes Lernmaterial. Es soll zu uns passen und Spaß machen. Ich unterrichte auch andere Kinder in Deutsch. Sie lernen Deutsch als Fremdsprache. Die Arbeitsblätter, die ihr hier findet sind also auch immer für DAF und DAZ geeignet.

Welche Tipps ich noch habe


Lesen, lesen, lesen

Besorgt euch deutsche Kinderbücher. Für Anfänger sind Bilderbücher am Besten geeignet. Lest langsam vor, spielt mit eurer Stimme und Mimik, zeigt beim Lesen auf die jeweiligen Details im Bild und die Kinder erkennen den Zusammenhang von Wort und Bedeutung. Lasst euch die Geschichte noch einmal erzählen. Dabei ist es egal, in welcher Sprache das Kind das tun will. Wichtig ist, dass es das Vorgelesene verstanden hat. Baut die Bücher in die tägliche Routine ein.

Gestaltet bunte Flashcards

Erweitert den Wortschatz der Kinder mit Karten. Schreibt das Wort oder eine Floskel (z.B. „Guten Morgen“) in Großbuchstaben auf eine Fotokartonkarte und malt dazu ein entsprechendes Bild. Wer nicht gerne malt findet unzählige Bilder im Net.

Lieder und Reime

Ein Lied kann man sich viel schneller merken, als Vokabeln. Wenn ihr z.B. „die Jahresuhr“ singt, dann merken sich die Kinder die Monate schneller in der richtigen Reihenfolge, als wenn sie diese nur stur auswendig lernen sollen.

Alltag, basteln und malen

Bildet einen ganz natürlichen Rahmen um euren Unterricht. Kocht mit den Kindern, pflegt euren Garten zusammen, bastelt zum Unterricht passende Dinge, malt tolle Bilder, macht Ausflüge in den Zoo oder in ein Museum und verwendet dabei die Sprachen ganz bewusst.


Nicht aufgeben!

Je früher man anfängt, sein Kind bilingual zu erziehen, desto besser. Wenn ihr aber erst später feststellt, dass das eine Möglichkeit für euch ist, dann tut es! Klar hinken bilinguale Kinder sprachlich erstmal etwas hinterher. Aber das holen sie auf und profitieren ein Leben lang von euren Anstrengungen.


Es kommt nicht von heute auf morgen. Aber es kommt!

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