Dienstag, 24. Februar 2015

Bilinguale Erziehung- Take it easy!

Habt ihr manchmal auch Zweifel, wenn es um die richtige Erziehung eurer Kinder geht? Gerade in Bilingualen Familien kann es zu Verunsicherungen kommen. Ständig wird man damit konfrontiert. Und manchmal verliert man das Ziel aus den Augen und verstrickt sich in selbst auferlegten Regeln, um ja alles richtig zu machen. Dabei ist Sprache etwas, das ganz natürlich passiert. In meinem einsprachigen Bekanntenkreis werde ich so oft mit großen Augen angesehen, wenn ich behaupte, meine Kinder können fließend zweieinhalb Sprachen sprechen. 


Das Kind lernt nie zwei Sprachen!


Als Minchen noch klein war wollte es überhaupt keiner glauben, dass sie einmal in der Lage sein wird, mindestens Deutsch und Arabisch zu sprechen. Bekannte lächelten müde über meine Erklärungen und Verwandte schlugen entgeistert die Hände über dem Kopf zusammen. Sie alle waren der Meinung, das könnte nicht klappen. Und je mehr ich mir anhören musste, desto stärker wurden auch meine Zweifel. Minchen hat zwar zeitgerecht angefangen zu sprechen, allerdings nur auf Arabisch. 

Ihr gesprochener Wortschatz war in beiden Sprachen lange Zeit sehr begrenzt, wobei sie alles gut verstand. Dennoch keimte in mir immer wieder Mal die Idee auf, einsprachig weiter zu machen. Heute bin ich froh, es nicht getan zu haben. Und das kann ich nur jedem empfehlen, der sein Kind mit mehr als einer Sprache aufwachsen lässt. Die Zweifler von vor sieben Jahren haben wir mittlerweile eines Besseren belehrt. Und auch ich bin überzeugter denn je, dass Kinder spielend mehrere Sprachen lernen können. 


Wenn sprachlich mal was daneben geht


Sprache ist etwas alltägliches. Verbinden wir es mit Liedern, Spielen, Büchern und anderen tollen Aktivitäten, fällt es unseren Kindern um so leichter, zu lernen. Bei allem Spiel und Spaß darf man aber eines nicht vergessen. Kinder sind sehr sensibel und haben feine Antennen. Sie können gut unterscheiden, wann man mit und wann man über sie lacht. Klar kommen aus dem kleinen Kindermund oft witzige Dinge. Dann muss man aber aufpassen, sich darüber nicht lustig zu machen. Wir müssen die Kinder stattdessen ermutigen und beruhigen. 


Genau so wichtig ist es, Kinder nicht ununterbrochen zu korrigieren. Ja, es gibt eine Art, Kinder indirekt zu korrigieren. Und ja, es ist auch mal wichtig, Fehler aufzuzeigen, damit sie nicht ewig hängenbleiben. Wenn das aber zu penetrant geschieht, geht die ganze Spontanität verloren, die Kommunikation ausmachen sollte. Kinder können dabei schnell das Vertrauen verlieren. Wenn ihr korrigieren wollt, dann achtet auf die Formulierung und vergesst niemals, euer Kind angemessen zu loben. 

Ich muss ehrlich sein, ich korrigiere meine Kinder im Alltag kaum. Da lass ich sie frei sprechen und die Sprachen mischen und experimentieren. Wir haben feste Zeiten, zu denen wir richtigen „Sprachunterricht“ abhalten. Dann achte ich auf Grammatik, Aussprache und Formulierungen. Wir fahren mit diesem Modell bislang sehr gut. Dann ist auch die Zeit, den Wortschatz und das Wissen zur jeweiligen Sprache zu testen. Im Alltag beurteile ich meine Kinder nicht und lasse ihnen Freiräume, sich sprachlich zu entwickeln. So hoffe ich, dass sie die Lust nicht verlieren. 


Denn:


Eine zweite Sprache sollte keine Belastung für eure Kinder sein. Versucht euren Kindern zu vermitteln, dass es ein Gewinn für sie ist. Deswegen ist es wichtig, flexibel zu bleiben. Gestaltet die Aufgabe „Bilinguale Erziehung“ so natürlich und angenehm wie nur möglich. Wenn ihr euch zu sehr versteift, dann wird es nur zum Kampf, besonders wenn die Kinder dann größer werden. 

Ihr praktiziert „Ein-Elternteil-Eine-Sprache“? Super! Aber versteift euch nicht zu sehr darauf. Es wird eurem Kind nicht schaden, wenn ihr ab und zu in seinem Beisein die Sprache eures Partners sprecht oder wenn ihr mit Bekannten in der Community-Sprache sprecht. Ihr müsst auch nicht immer alles doppelt sagen. Eure Kinder können das bereits sehr gut unterscheiden und lernen, dass ihre Eltern in der Lage sind, in mehreren Sprachen zu kommunizieren. So lange ihr aber mit euren Kindern die meiste Zeit in eurer eigenen Muttersprache kommuniziert, ist alles im grünen Bereich.

Ich spreche mit meinen Kindern ausschließlich Deutsch. Sind wir aber mit ägyptischen Freunden zusammen, dann mache ich eine Ausnahme und spreche mit ihnen Arabisch, damit sich niemand gekränkt fühlt. Das klappt natürlich nicht immer und manchmal sage ich auch etwas auf Deutsch, weil es für mich einfacher ist. Das ist eben von der Situation abhängig. Jedenfalls wird es den Kindern nicht schaden. 


Seht es locker und macht es nicht unnötig kompliziert. Ihr werdet mit den Jahren merken, dass viele Sorgen und Zweifel völlig unbegründet waren. Und vielleicht seid ihr schon bald so fasziniert wie ich von den kleinen sprachlichen Wundern, die eure Kinder im Laufe der Jahre geschehen lassen. Ganz ohne Druck. Ganz easy!

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