Donnerstag, 12. Februar 2015

Probleme bei der Bilingualen Erziehung



Jede bilinguale Familie ist anders. Es gibt unzählige mögliche Kombinationen an Kulturen und Sprachen. In manchen Familien werden konsequent zwei Sprachen gesprochen. In anderen Familien kommt eine dritte “Brückensprache“ (bei uns ist das Englisch) dazu. Es gibt aber viele Familien, die sogar vier Sprachen anwenden. Für außenstehende klingt das kompliziert. Für multikulturelle Familien ist das aber Alltag.

Seine Kinder bi- oder multilingual aufzuziehen ist keine Wissenschaft und es folgt auch keinen festgeschriebenen Regeln. Die schwierigen Fragen stellen sich außenstehende oder werdende und „frische“ Eltern dennoch: Was, wenn das Kind die Sprachen mischt und nur unzureichend lernt? Was, wenn es sich weigert, meine Muttersprache zu sprechen? Was, wenn die Großeltern zu Besuch sind und die Kinder nicht verstehen? Was, wenn das Kind sehr spät anfängt zu sprechen? Wird es seiner Entwicklung schaden?

Es gibt unzählige Fragen, die man sich stellt, bis man merkt, dass sich alles fast von selbst löst.

Man muss sich auch von dem Wunschgedanken verabschieden, ein mehrsprachiges Kind spricht alle seine Sprachen perfekt und akzentfrei. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Jedes Kind ist hier verschieden, denn die Umstände in jeder Familie sind verschieden. Es gibt Kinder, die zwei Sprachen zwar perfekt sprechen, dabei aber einen deutlich merkbaren Akzent haben.

Ich kenne ein paar Kinder, die ihre zweite Sprache mit nur sehr begrenztem Wortschatz, Grammatikmischmasch und starkem Akzent sprechen. All das ist normal. Kinder sind keine Computer, die auf verschiedene Sprachen programmiert werden können.  Es sind kleine Individuen.

Es gibt Kinder, die eine Sprache einfach verweigern. Die Gründe, warum Kinder eine Sprache verweigern sind ganz vielfältig. Es gibt kein Richtig oder Falsch und es gibt auch keinen Grund, sich schuldig zu fühlen, wenn das passiert. Man muss einfach nur weiter einen Schritt nach dem anderen gehen. Mein Minchen hat in ihren ersten drei Jahren kein Wort Deutsch mit mir gesprochen. Sie hat zwar alles verstanden aber immer nur Arabisch mit mir gesprochen. Ich blieb zum Glück standhaft und wurde nicht müde, immerzu Deutsch mit ihr zu sprechen. War die deutsche Oma zu Besuch konnte sie mit ihr ganz toll reden. Bei mir war es ihr wohl zu anstrengend, sie nahm den für sie leichteren Weg.



Was tun, wenn mein Kind die zweite Sprache verweigert?



1. Gib niemals auf! Bleib standhaft und sprich deine Sprache konsequent weiter.

2. Manchen mag es helfen, sich  mit anderen Familien zu treffen, die diese Sprache sprechen.
3. Macht Dinge in der Sprache, die Spaß machen. Lest Bücher, singt Lieder, hört Radio und schaut euch Filme an. Minchen liebt zum Beispiel moderne Deutsche Lieder. Sie sind ihr lieber als Kinderlieder.
4. Denkt immer an das, was ihr könnt und nicht an das, was ihr nicht könnt.
5. Die passive Sprache besser zu lernen und lesen zu üben kann auch in der Muttersprache zu guten Ergebnissen führen. Minchen ist in Arabisch immer ein paar Pünktchen schlechter, als die anderen Kinder. Je besser sie aber Deutsch spricht und liest, umso besser wird sie in der Schule.
6. Manchmal ist es nur eine Phase, auch wenn sie scheinbar ewig dauert. Kinder wollen ihre Identität entdecken, Grenzen austesten und eigene Entscheidungen treffen. Auch das „Nein“ zu einer Sprache kann dazu gehören. Kinder merken, wie wichtig dir diese Sache ist und verweigern sie einfach nur deswegen. Auch das geht vorbei!
7. Zwinge dein Kind nicht, in der gewünschten Sprache zu antworten. Das führt nur zu Frust auf beiden Seiten und du erreichst das Gegenteil.
8. Die Gründe warum ein Kind eine Sprache nicht sprechen will, sind so vielfältig, wie es zweisprachige Kinder auf der Welt gibt. Wenn du den Grund dafür kennst, kannst du lernen damit umzugehen. In jedem Fall aber brauchst du Geduld.


Es ist niemals zu spät, eine weitere Sprache zu lernen. Es ist aber einfacher, je jünger man ist. Also bleib am Ball!


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