Samstag, 7. März 2015

11 Aussagen, die bilinguale Kinder satt haben

Nervige Fragen an bilinguale Kinder



Als Eltern bilingual erzogener Kinder kennt ihr das bestimmt: Dumme Fragen und Kommentare. Und ja, es gibt dumme Fragen.

Als Erwachsene können wir damit umgehen und angemessen antworten. Anders ist das, wenn unsere Kinder direkt damit konfrontiert werden. Sie sind nun mal sensibler, gerade wenn sie direkt betroffen sind. Das ist so bei Fragen zu ihrem Aussehen, ihrer Herkunft, ihrer Familie, ihren Hobbys und natürlich auch ihren Sprachen. Ich würde mir deshalb manchmal mehr Feingefühl von anderen Erwachsenen wünschen.


Hier ein paar dieser dummen Kommentare, die mein Minchen schrecklich nerven:



1. Aus welchem Land kommst du?


Das kommt nicht sehr häufig vor, dass sie das gefragt wird, denn sie sieht sehr ägyptisch aus. Wenn sie aber mit mir oder ihrem Bruder spricht, dann werden die Leute aufmerksam und fragen diese Frage. Das klingt erst mal wie eine sehr unschuldige Frage und der Fragensteller meint das ganz bestimmt nicht böse. Für ein Kind kann das aber verletzend wirken, denn es impliziert, dass es nicht von hier ist, dass es Ausländer ist.


Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in Ägypten nicht ganz so schlimm ist, diese Frage gestellt zu bekommen. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen. „Europäisches Blut“ wirkt irgendwie aufwertend und die Leute sind fasziniert.

In Deutschland sieht das leider anders aus. Da kann man die Frage schnell negativ verstehen und man bekommt den Stempel „Imigrationshintergrund“ aufgedrückt.


2. Wo bist du zu Hause?


Das klingt ähnlich wie die Frage zuvor. Hat aber eine ganz andere Bedeutung für Kinder einer multikulturellen Familie. Unsere Kinder wachsen in unterschiedlichen Kulturen auf und lernen beide zu lieben. Wie sollen sie da diese Frage beantworten? Meinem Minchen habe ich beigebracht „zu Hause ist dort, wo dein Herz ist. Und dein Herz kann an vielen Orten sein.“



3. Sag mal etwas auf ____________.


Das ist wohl die am häufigsten gestellte Frage. Und auch die nervigste!

Es passiert fast täglich, dass jemand meine Kinder auffordert, etwas auf Deutsch zu sagen. Das ist völlig unnatürlich und Minchen fühlt sich in solchen Momenten sichtlich unwohl. Was soll das auch nützen? Wollen die Leute einen Beweis, dass die Kinder die fremde Sprache wirklich sprechen? Wir wollen nur kommunizieren, nicht angeben.


4. Du hast ja keinen Akzent, wenn du _____________ sprichst.


Das meinen die Leute doch nicht wirklich? Eigentlich bedeutet diese Aussage doch genau das Gegenteil, nämlich, dass man einen Akzent hört. Und das ist völlig normal. Selbst einsprachige Menschen haben einen.



5. Warum sprichst du ___________ nicht so gut wie die anderen Kinder in deinem Alter?


Man darf Kinder nicht miteinander vergleichen. Sie lernen unterschiedlich schnell. Abgesehen von der bilingualen Erzieher gibt es auch noch andere Gründe, warum Kinder eine Sprache weniger gut oder schnell lernen. Es gibt schüchterne Kinder und sehr aktive Kinder. Nur weil man nicht viel spricht, heißt nicht, dass man nicht wüsste, wie man es sagen soll.



6. Übersetze mal bitte!


Kinder sind keine Dolmetscher. Wenn sie es von sich aus machen, dann ist das toll. Wenn sie aber aufgefordert werden, eine Erwachsenen-Unterhaltung zu übersetzen, dann ist das frech. Wir ziehen keine kleinen Dolmetscher auf. Diese Frage übt nur unnötigen Druck auf die Kinder aus.



7. Das sagst du aber falsch!


Kinder soll man nur indirekt korrigieren und bitte nicht vor anderen. Sie werden sonst verunsichert und verlieren vielleicht den Mut oder die Lust an Konversation



8. Du bist so süß/lustig/anders/seltsam, wenn du ___________ sprichst.


Eine andere Sprache zu sprechen, ändert nicht die Persönlichkeit einer Person. Kinder sind nicht süß/lustig/anders/seltsam, wenn sie eine andere Sprache sprechen. Ich würde mir deshalb wünschen, dass sich andere Menschen kein Urteil darüber bilden. Sie können anders klingen, abhängig von der Situation. Aber das tun andere Kinder auch.

Es kommt doch auch drauf an, mit wem die Kinder reden: mit Freunden, der Nachbarin, der Großmutter oder dem Lehrer. Deswegen hat man aber nicht verschiedene Identitäten.


9. Du bist in __________ also sprich ___________.


Das passiert in Deutschland häufiger, als in Ägypten. Dennoch nervt es. Manchmal gibt es Situationen, in denen wir der Einfachheitshalber etwas auf Deutsch sagen. Besonders neugierige Zeitgenossen beschweren sich dann und wollen, dass man in der Landessprache spricht.



10. In welcher Sprache träumst du?


Als ob das wichtig ist.



11. In welcher Sprache zählst du?


Das ist auch wieder eine Frage, die dem Kind zeigt, wie anders es ist. Kinder wollen nicht anders sein. Natürlich sollen sie auch lernen, dass jeder einzigartig und wundervoll ist. Doch ständig mit der Nase darauf gestoßen zu werden, kann mit der Zeit nerven.


Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Gibt es Fragen und Kommentare, die euch und eure Kinder nerven? Oder könnt ihr das ganz gut ausblenden?

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