Montag, 2. März 2015

Bilinguale Erziehung: Das Für und Wider

Warum bilinguale Erziehung Vor- und Nachteile hat


In einer zunehmend globalisierten Welt, hat es offensichtlich seine Vorteile, mehr als nur eine Sprache zu beherrschen. Wissenschaftler haben sogar belegt, dass die Vorteile nicht nur die Möglichkeit betreffen, in der Lage zu sein, in einer weitere Sprache zu kommunizieren. Die Vorteile sind viel grundlegender. Wer mehrere Sprachen beherrscht, ist im Allgemeinen schlauer. Das Erlernen mehrerer Sprachen hat einen tollen Effekt auf das Gehirn und die kognitiven Fähigkeiten. Laut der Wissenschaftler soll es sogar vor Altersdemenz schützen.

Mehr als 50% aller Menschen auf der Welt benutzen täglich mehr als eine Sprache. Die Zahl ist wirklich unglaublich. Nicht alle sind bilingual aufgewachsen. Viele haben eine oder mehrere Sprachen im Laufe der Jahre gelernt: in der Schule, im Ausland, für den Job. Es gibt viele Gründe und Wege, bilingual zu sein. Der einfachste Weg ist aber, von klein auf eine oder mehrere Sprachen zu lernen. Das ist meistens der Fall, wenn die Eltern unterschiedliche Muttersprachen haben. Oder wenn ein Elternpaar in einem anderen Land lebt und arbeitet. Doch es besteht auch die Möglichkeit, Kinder schon früh mit Fremdsprachen vertraut zu machen. In dem Fall finde ich es sinnvoll, wenn im Kindergartenalter bereits erste wichtige Wörter und Floskeln gelernt werden. Lieder, Bücher und Kinderreime helfen, es den Kindern leicht zu machen.

Die Sicht auf Zweisprachigkeit hat sich stark verändert, im Vergleich zum 20. Jahrhundert. Damals dachten Lehrer, Forscher, Pädagogen und Politiker, die bilinguale Erziehung würde die Akademische, intellektuelle und kognitive Entwicklung eines Kindes stören. Leider ist das in vielen Ländern immer noch der Fall. Mir wurde in Ägypten schon von vielen Seiten gesagt, ich würde einen Fehler machen. Aber davon darf man sich nicht verunsichern lassen. Bilingual zu sein hat natürlich auch seinen Preis. Aber es gibt weit mehr Vorteile.


Was ist der Preis für Bilingualität?


Vorerst kann es tatsächlich zu einer Art Entwicklungsverzögerung kommen.Bitte versteht diesen Begriff in dem Zusammenhang nicht falsch. Viele Kinder beginnen später zu sprechen, tun sich länger schwer mit Grammatik und Wortschatz und haben manchmal Probleme mit der Aussprache. Das liegt daran, dass im bilingualen Gehirn beide Sprachen aktiv sind, auch wenn nur eine genutzt wird. Das kann Probleme im „System“ nach sich ziehen, was bedeutet, dass bilinguale Kinder vorerst schwächer sind in beiden Sprachen, als andere Kinder, die nur eine Sprache lernen.


Was sind die Vorteile von bilingualer Erziehung?


Jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken! Es gibt natürlich weit mehr Vorteile die alle Nachteile wieder aufwiegen. Und all die Mühe wird sich auszahlen.

Zweisprachigkeit wirkt sich positiv auf die Entwicklung und die Effizienz des Gehirns aus. Das bilinguale Gehirn ist es gewöhnt, dass zwei Sprachen gleichzeitig in ihm arbeiten. Daraus resultiert die Fähigkeit, irrelevante Reize ausblenden zu können. Auch das Arbeitsgedächtnis und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit und zwischen Aufgaben gezielt „umzuschalten“ ist optimiert. Das gilt auch, wenn die Aufgaben nichts mit Sprache zu tun haben.
Selbst die Beobachtungsgabe ist bei multilingualen Personen besser.

Viele geistig anspruchsvolle Aufgaben können laut einer Studie von Ellen Bialystok und Michelle Martin-Rhee von bilingualen Kindern schneller und besser gelöst werden. Die exekutiven Funktionen sind optimaler ausgeprägt. Diese sind notwendig für Planung und Durchführung, sowie für Konzentration und das Ignorieren von Störungen.

Laut wissenschaftlicher Studien kann Bilingualität sogar helfen, Altersdemenz vorzubeugen. Kognitive Funktionen werden angeregt, was die mentale Aktivität stimuliert.


Noch nicht bilingual?


Kein Problem! Man ist nie zu alt, eine weitere Sprache zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Und es ist auch nie zu spät, sich dafür zu entscheiden, seinem Kind eine weitere Sprache beibringen zu wollen. Wer das bereits praktiziert weiß zu gut, dass altmodische Ansichtsweisen über bilinguale Erziehung falsch sind und nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.



Wer sich für dieses Thema interessiert, findet hier einen tollen Artikel auf Englisch: http://www.nytimes.com/2012/03/18/opinion/sunday/the-benefits-of-bilingualism.html

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