Montag, 9. November 2015

Die Power eines bilingualen Gehirns

Wie das Gehirn von einer bilingualen Erziehung profitiert

Das Gehirn eines Kindes kann sprachen unheimlich gut verarbeiten

Sprichst du mehrere Sprachen? Oder sprechen deine Kinder zwei/ mehrere Sprachen? Vielleicht zusätzlich zu der Muttersprache noch Englisch, Französisch oder sogar Spanisch? Dann gehörst du, bzw. gehören deine Kinder zu der weltweiten zwei- und mehrsprachigen Mehrheit (2/3 aller Menschen sind mehrsprachig) und euer Gehirn sieht möglicherweise anders aus, als das, einsprachiger Menschen. Unglaublich, oder?


3 Typen von Zweisprachigkeit


Es gibt verschiedene Arten von Zweisprachigkeit. Man unterscheidet drei, je nachdem, wie die Sprache erworben wurde:


  • 'Compound Bilinguals'

Man lernt zwei oder mehrere Sprachen in der Kindheit


  • 'Coordinate Bilinguals'

Neben der Muttersprache zu Hause wird eine Fremdsprache in der Schule gelehrt.


  • 'Subordinate Bilinguals'

Sie lernen eine zweite Sprache, indem sie diese von der Muttersprache ableiten.


Warum mehrsprachig besser für das Gehirn ist


Ein mehrsprachiges Gehirn hat Vorteile. Es wurde nachgewiesen, dass die Dichte der grauen Substanz höher ist. Das bedeutet, diese Stellen im Gehirn enthalten die meisten Synapsen und Neuronen und sind leistungsstärker. 

Durch das Erlernen und Sprechen mehrerer Sprachen wird das Gehirn ständig trainiert. Alzheimer und Demenz können unter Umständen um bis zu fünf Jahren verzögert werden.

Eine bilinguale Person zu sein bedeutet, man hat ein gesünderes, komplexeres und aktiveres Gehirn. 

Und das Beste ist: Es ist nie zu spät, zweisprachig zu werden. Jeder kann jederzeit selbst damit anfangen. Selbst als Erwachsener kann man noch eine Fremdsprache lernen. Aber es wird zugegeben nicht einfacher mit den Jahren.


Rechne den Nutzen Bilingualer Erziehung aus


Ein Bilinguales Kind wächst idealerweise von Geburt an mit zwei Sprachen auf. Bereits wenn es anfängt zu sprechen, kann es also doppelt so viele Wörter, wie Kinder in seinem Alter. 

Das mag vielleicht nicht so erscheinen, weil es immer eine starke und eine schwache Sprache gibt. Meistens verstehen bilinguale Kinder aber beide Sprachen sehr gut, auch wenn sie in einer bevorzugten Sprache kommunizieren. 

Es gibt Gründe, warum Kinder schon sehr klein mit einer dritten Sprache konfrontiert werden. 


  • Vielleicht sprechen die Eltern neben der jeweiligen Muttersprache noch eine gemeinsame Sprache am Esstisch. 
  • Oder die Community-Sprache ist eine andere, als Mama und Papa sprechen. 
  • Oder man hat die Möglichkeit, das Kind in einen Kindergarten oder eine Schule mit Schwerpunkt auf Fremdsprachen zu schicken. 
  • Oder es zieht einen beruflich ins Ausland und die gesamte Familie darf eine neue Sprache lernen. 

Das ist alles großartig, denn es bedeutet: Noch mehr Vokabular! 

Und auch damit kommt das Gehirn wunderbar zurecht. Es wird nicht überfordert, es ist einfach nur flexibler, als ein monolinguales Gehirn. Und auch später wird es diese Flexibilität noch lange beibehalten, weil es darauf trainiert wurde. 

Das bedeutet, das Gehirn deines Kindes wird schon früh darauf geschult, auch andere Sprachen zu lernen. Sie werden die Nutznießer deiner Entscheidung sein, ihr Leben früh mit mehr als einer Sprache bereichert zu haben.


Von unseren Kindern in den Schatten gestellt


Ich spreche auch drei Sprachen. Aber leider habe ich erst in der fünften Klasse mit Englisch begonnen und im Alter von 24 mit Arabisch. Auch wenn ich mich noch so sehr anstrenge, meine Kinder haben mich längst überholt und das kann ich nie wieder aufholen. 

Sogar eine Sprache, die ich gleichzeitig mit meiner Achtjährigen Tochter versuche zu lernen, will einfach nicht so schnell in meinen Kopf. Sie saugt die Französisch-Vokabeln geradezu auf, hat fast eine perfekte Aussprache und kann über meine Bemühungen nur müde lächeln.


Aber warum ist das so?


Der Tag an dem du geboren wurdest ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Tag, an dem du am geschicktesten mit Sprachen umgegangen bist. Wirklich, je jünger Kinder sind, umso bessere Linguisten sind sie auch. 

Auf der Welt gibt es ungefähr 6 800 Sprachen. Da wir nicht wissen, wo genau wir das Licht der Welt erblicken, müssen wir auf alles gefasst sein und imstande sein, die jeweilige Sprache zu lernen. 

Leider verlieren wir dieses Talent sehr schnell. Bereits neun Monate nach der Geburt, gehen viele Sprachsynapsen im Gehirn wieder verloren.

Glücklicherweise haben Schulkinder immer noch großartige Fähigkeiten, wenn es darum geht eine zweite, dritte oder sogar vierte Sprache zu lernen.

Kinder denken einfach nicht darüber nach, ob ihr Gehirn von mehreren Sprachen überfordert wird. 
Das denken sich die Erwachsenen aus, die vorzugsweise einsprachig aufwuchsen. Hast du dich früher auch schwer getan, Englisch, Französisch oder Latein zu lernen?  Das ist, weil das zu spät und im Frontalunterricht geschah.

Wenn wir unseren Kindern bilinguale oder multilinguale Erziehung ermöglichen, dann werden sie ganz einfach von von lyrischen, lingualen und reichhaltigen Erfahrung zweier Sprachen profitieren. 
Diese Welt ist so vielsprachig, unsere Kinder können von klein auf großen Nutzen daraus ziehen, ohne dass wir uns sorgen müssten, sie damit zu überfordern. 

Das Gehirn ist darauf ausgelegt!


Welche Erfahrungen hast du selbst gemacht? Wie viele Sprachen passen in deinen Kopf?