Mittwoch, 24. August 2016

Mach doch mal (multilingualen) Urlaub

Wie Urlaub die Sprache deiner mehrsprachigen Kinder boosten kann

 


Wir habens getan! Wir haben ganze 10 Wochen Urlaub in meiner Heimat Deutschland gemacht. 

Für meine große Tochter (8 Jahre) war es das dritte Mal. Aber sie erinnert sich nicht mehr an die anderen beiden Male, weil es über 6 Jahre her war. Der Kleine (4 Jahre) durfte seine deutschen Wurzeln zum ersten Mal kennenlernen.

In diesem Post möchte ich den Urlaub aus Sicht des Deutschlehrers reflektieren.
Ich verrate schon einmal so viel: Es hat sich gelohnt!

Überlegungen vor unserem Urlaub


Eine Überlegung galt kulturellen Aspekten: 
Wie reagieren die Leute auf meine Kinder, die offensichtlich einen dunklen Teint und dunkles Haar haben? Werden wir angegafft oder gar angefeindet in Zeiten wachsender Verunsicherung?

Und am meisten überlegte ich mir: Was kann ich tun, um das Beste für meine Kinder herauszuholen, was das Sprachliche angeht?

So hab ich mir den Urlaub im Heimatland vorgestellt


Es sollte sich lohnen. Ich wollte, dass meine Kinder ganz viel an Wortschatz aufholen, was ich ihnen in Ägypten nicht vermitteln konnte. Es gibt dort einfach keine Tannenzapfen, Marienkäfer, Nacktschnecken und Sommerschauer.

Ich hab mir deutsche Schulbücher besorgt und wollte täglich mit der Großen etwas üben. Außerdem habe ich enige von meinen eigenen Übungen für sie ausgesucht, die ich mit ihr machen wollte. Ich hab mir gedacht, wir bräuchten all das, um das optimale aus diesen Ferien zu holen. Ich wollte unseren Urlaubsalltag mit dem Nützlichen verbinden und dachte, wir würden jeden Tag neue Wörter in ein Vokabelheft schreiben.

So war es dann wirklich


Ich hab mir erst einmal eine positive Grundeinstellung angeeignet: “Keiner will uns was. Sie schauen nur, weil wir so exotisch aussehen. Immer nett lächeln.” Und es hat meistens geklappt. Nicht immer und es war zugegebenermaßen wirklich nervig, aber mein zweites Mantra lautete einfach “Weglächeln. Die seh ich danach nie wieder.”

So und jetzt zu meinen Plänen rund ums Deutsch lernen:


Die Schulbücher liegen unangetastet auf dem Regal. Die Hefte, die ich für diesen Zweck gekauft habe, wurden mit der Zeit zu Notizheftchen und Malbüchern. Meine selbstgemachten Übungen haben wir aber fleißig gemacht. Nicht so regelmäßig wie ich mir das gewünscht hatte, aber wir haben Regentage genutzt und dann einfach mal einen Vormittag fürs Lernen genutzt.

Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen eigenen Übungen einfach besser zurecht komme. Sie sind bereits kindgerecht und verständlich aufbereitet. Ich kann gezielt mit meiner Tochter an bestimmten Problemen arbeiten und wir sind diese Arbeitsblätter bereits gewöhnt, weswegen uns die Arbeit damit einfach besser von der Hand geht.

Als ich merkte, dass wir nicht so viel lernen, wie ich es mir vorgenommen hatte, war ich erst enttäuscht. Ich wollte ja, dass sie das Gelernte gleich im Alltag umsetzt. Aber ich hab einen ganz wichtigen Punkt sehr schnell festgestellt:

Deutsch als Zweitsprache im Urlaub- Der Alltag ist das Erfolgsgeheimnis!


Jetzt ist nämlich die Gelegenheit, sich als Elternteil einmal richtig auf die eigene Muttersprache zu konzentrieren. Mir persönlich fällt es jetzt einfacher, nicht versehentlich ins Arabisch abzurutschen oder die Sätze der Einfachheit halber zu mixen. Ich geb mir wirklich immer Mühe, aber oft ertappe ich mich dabei, wie ich ein bisschen mische. In Deutschland funktioniert das plötzlich viel besser.

Und wie ich anfangs schon kurz erwähnte: Man hat viele neue Eindrücke. Es riecht anders, das Wetter ist anders, es gibt andere Dinge zu essen, die Natur bietet viel neues, man spricht Deutsch mit anderen Menschen, die Kinder spielen auf dem Spielplatz mit anderen Kindern, sie können sich beim Bäcker selbst eine Breze kaufen und und und...

Das würd ich euch raten:


Reden, reden, reden! Und zwar, bis euch die Fussel am Mund hängen. So hab ich mich bei jedem noch so kleinen Spaziergang oft gefühlt. Ich wurde immer mit Fragen gelöchert und hab versucht, sie alle zur Zufriedenheit zu beantworten. Die häufigste Frage: “Mama, was ist das?” Und dann waren sie da, die Marienkäfer, Nacktschnecken, Regenpfützen, Bushaltestellen, Gänseblümchen, Tannenzapfen, Verkehrsschilder, Regenrinnen., Pusteblumen, Hydranten, Rettungswagen,..... 

Und wir aßen Brezen, Walderdbeeren und Holler. Alles Dinge, die meine Kinder sonst nur aus Erzählungen kannten. Jetzt sitzen diese Wörter ganz fest im Gedächtnis, denn sie haben sie selbst kennengelernt, angefasst, geschmeckt und gerochen.

Wenn ihr die Möglichkeit habt, in dein Heimatland zu fliegen, dan tu es! Es muss nicht unbedingt jedes Jahr sein und es müssen auch keine 10 Wochen sein (das war echt verrückt lange!), wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht geht. Aber tu dir und tu deinen multilingualen Kindern den Gefallen und mach es!

Das darfst du nicht vergessen:


Wenn man im Ausland lebt, hat man selten die Chance, deutsche Kinderbücher zu kaufen. Jetzt ist die Gelegenheit. Ich habe einen ganzen Koffer für die Rückreise eingeplant, der nur für Bücher reserviert ist. 

Lesen ist der Schlüssel zum Erfolg beim Lernen mehrerer Sprachen, weswegen ich gerne viele Bücher auf Flohmärkten kaufe. Sie sind sehr günstig und ich hab eine tolle Mischung sehr vieler Bücher bekommen. Ich hab auch schon für die nächsten Jahre vorgekauft. Diese Bücher geb ich dann altersgerecht heraus, denn ich weiß nicht, wann ich wieder die Gelegenheit habe, welche zu kaufen.

Fazit zum multiligualen Urlaub


Es hat sich gelohnt. Ich würde am liebsten alle zwei Jahre Urlaub in meiner Heimat machen, damit die Kinder noch ganz viel erleben und lernen. Sollte ich wieder die Möglichkeit haben, werde ich sie nutzen.

Meine Kinder haben alle beide einen wahnsinnig großen Schub gemacht. Es kamen ganz viele neue Wörter hinzu, der Satzbau hat sich verbessert und grammatikalisch machen sie weniger Fehler.
Meine Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Sie wurden übertroffen, wenn es auch anders kam, als ich dachte und plante. Es klappte ganz intuitiv, ohne großen Aufwand.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Teile deine Geschichte auf meiner Facebookseite mit mir!

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